Die Achterbahnfahrt des Kryptomarktes — wie Gefälle neuen Schwung bringen

- Ein Kommentar von Niall Murray, Direktor - Global Business bei SALAMANTEX

Derzeit sind die Medien und Online-Plattformen voll von Schlagzeilen zu einem bevorstehenden Kryptowinter, einer lang anhaltenden schwachen Phase des Kryptomarktes, die zu einem Vertrauensverlust bei Investoren und in der Krypto-Community führt. Mancheiner glaubt die Kryptoblase sei nun schlussendlich geplatzt, aber das Gegenteil könnte wahr sein.[1] Es stimmt in der Tat, dass Kryptowährungen derzeit schwächeln, was sich auch negativ auf die übergeordnete FinTech-Branche und die Blockchain-Industrie auswirkt. Doch wie sieht das umfassende Bild im vollen Kontext aus?

1. Warum Höhen und Tiefen der Reifung eines Marktes dienen

Ein kennzeichnender Faktor von Kryptowährungen ist ihre Volatiltät. Wenn man die Entwicklung von Bitcoin seit der Erfindung im Jahr 2009 betrachtet, sieht man eine Folge von Höhen und Tiefen, die immer wieder längere stagnierende Phasen zeigt, sowie auch schnelle Sprünge nach oben oder unten.[2] Worüber allerdings nur wenige sprechen, ist die treibende Kraft eines solch zyklischen Wachstumsverlaufes: “Konsolidierungs- und Kapitulationszyklen sind nötig, um für finanzielle Stabilität in einem Markt zu sorgen.” [3] Man könnte sogar einen Schritt weiter gehen und rezessive Phasen als eine Chance zur Bereinigung des Marktes sehen: nur die stärksten Firmen mit tatsächlichem Mehrwert und starker Durchhaltungskraft überleben die Strapazen des Winters und blühen im Frühling wieder auf.

2. Das umfassendere Bild

Es stimmt, dass sich der Kryptomarkt derzeit in einer schwierigen weil schwachen Phase befindet. Allerdings ergeht es anderen Finanzmärkten und Anlageklassen nicht anders. Wie 2021 gezeigt hat verhalten sich der Krypto- und der Aktienmarkt ähnlich, wie das Diagramm von Bloomberg Intelligence veranschaulicht:[4]

Wir müssen verstehen, dass der derzeitige Markttrend deutlich weitläufiger ist. Der einfallende Kryptomarkt ist nur ein kleiner Teil der Gesamtsituation, die durch das wirtschaftliche und politische Klima entstanden ist. Die Entwicklungen zeigen, dass wir auf eine weltweite Rezession zusteuern, die laut Vorhersagen “dieses oder nächstes Jahr, allerspätestens aber 2024 eintreffen wird.”[2]

Wieso bloß ?!

Lasst uns die drei Hauptfaktoren, die uns auf die Zielgerade einer Rezession geführt haben, genauer betrachten:

1. Die Spätfolgen der Covid-19 Pandemie:

Es fühlt sich an als wäre es gestern gewesen, aber wir kämpfen uns nun schon seit drei Jahren durch die Pandemie und diese Krise hat sowohl in der Arbeitswelt als auch im Privatleben viele Spuren hinterlassen.

Maßnahmen die uns kurzfristig durch die Pandemie geholfen haben, zeigen nun ihre Kehrseite mit ausgeprägten Spätfolgen. Das frische Geld, das die Politik während der Krise in den Markt gepumpt hat um die Wirtschaft aufrecht zu erhalten, führt nun zu einer bedeutenden Inflation, da zu viel Geld im Umlauf ist. Nicht nur Großbritannien klagt über eine Rekordinflation[5], zahlreiche EU-Länder sind auf dem Weg in eine nie zuvor gesehene zweistellige Inflation. Der Grund hierfür ist nicht nur das frische Geld, das in die Wirtschaft geflossen ist. Während der Pandemie waren viele in die eigenen vier Wände eingeschlossen. Das so gesparte Geld wurde in Online-Shopping und Renovierungsarbeiten investiert. Diese erhöhte Nachfrage traf auf ein vermindertes Angebot aufgrund von Lockdown-Stillständen in der Produktion. Dieser Versorgungsmangel hat zu einer erhöhten Inflation geführt. Des Weiteren haben während der Pandemie viele so genannte buy-now-pay-later Angebote genutzt. Wir gehen nun in die pay-later Phase über. In einer Zeit, in der wir unter steigenenden Öl- und Lebensmittelpreisen leiden. Die Kaufkraft der Bevölkerung erfährt also eine extreme Drosselung. Konsumenten wollen die steigende Unsicherheit abwarten, um erst einmal sicherzustellen, dass sie alle Lebenshaltungskosten auf lange Sicht abdecken können. Der Konsum bewegt sich Schritt für Schritt auf einen Stillstand zu, was den Handel und die Tourismusindustrie weiterhin schwächt.

In den Finanzmärkten, wie auch im Kryptomarkt, spiegelt sich diese Entwicklung offensichtlich wider.

2. Russischer Überfall auf die Ukraine:

Neben Kriegsverbrechen, müssen die ukrainische und russische Bevölkerungen auch noch weitere Begleiterscheinungen des Krieges erleiden. Öl- und Lebensmittelpreise sind so hoch wie nie. Weltweit sorgt sich die Menschheit um das Andauern sowie den Ausgang des Kriegs. Russland als auch die verabreichenden Länder leiden unter den Sanktionen gegen russische Güter und Dienstleistungen.

3. Sommerschlaf:

Mit der Sommerhitze kommt auch eine Verringerung der Wirtschaftsaktivität in der Bürowelt, der so genannte ‘vacation ripple effect’ (zu Deutsch: Ferien-Dominoeffekt).[6] Zahlreiche Büroarbeiter, vor allem in europäischen Ländern, nutzen die warmen Sommermonate und ihr großzügiges Urlaubstagspensum um in einen lange Urlaubspause zu gehen. Ein ähnliches Phänomen ist im Nahen Osten zu betrachten, in dem die Sommermonate unerträglich heiß sind und sich negativ auf die Gemüter sowie die Produktivität der Einwohner auswirkt, auch im klimatisierten Büro-Arbeitsumfeld.

Was uns nicht umbringt, macht uns stärker

Nun haben wir also festgestellt, dass der Kryptomarkt nur einer der vielen Verlierer des derzeitigen, harschen, finanziellen Klimas ist. Wieso Krypto in gewisser Weise aber auch ein Gewinner ist, klären wir jetzt. Im Vergleich zum Aktienmarkt, profitierte der Kryptomarkt teils von der derzeitigen Situation und wird stärker auf der anderen Seite auftauchen. Mit schwindendem Vertrauen in Regierungen und Institutionen, wenden sich viele gen DeFi. Das Versprechen Wächter des eigenen Geldes zu bleiben, statt einem institutionellen Akteur vertrauen zu müssen, ist verlockend. Diese Welle an neuen Nutzern hat dem Kryptomarkt Aufschwung gegeben. Wie sieht es in der Welt der Investoren aus? Kaum zu glauben, aber brache Zeiten beflügeln den Markt und agieren als Katalysator für viele Investoren. Nach dem Motto ‚kauf‘ die Flaute und halt‘ deine Krypto, als ob dein Leben davon abhängt‘ (aus dem Englischen: HODL = hold on for dear life), wird fleißig gekauft — in der Erwartung, dass die Kurse der Kryptowährungen wieder ansteigen und damit zu großen Gewinnen führen werden.[7]

Wie bereits erwähnt, helfen harte Zeiten der Blockchain-Branche, indem sie eine Filterfunktion haben, die nur die stärksten Innovationen überleben. Manch ein Start-up hat sich neu aufgestellt und dadurch komplett neue Anwendungsfälle entdeckt. Selbst “Bitcoin findet in dieser verrückten Marktsituationen einen neuen Nutzen. […] In einer neuen Phase der Akzeptanz, experimentieren Investoren mit Krypto als Wertanlage, internationale Banken und Regierungen nutzen ihn im Handel, und die Bevölkerung versucht über ihn ihre Kaufkraft zu sichern.”[8] Ein viertes Anwendungsbeispiel darf hier keinesfalls vergessen warden. Immer mehr Händler und Dienstleistungsanbieter akzeptieren nun auch Kryptowährungen für Bezahlungen. „Natürlich möchte kaum einer mit einer Kryptowährung bezahlen, wenn ihr Wert gerade am Boden ist. Wenn sie sich aber in einer starken Phase befindet ist es ein guter Zeitpunkt sie auszugeben. Die Niedrigphasen kann man nutzen, um den Vorrat aufzustocken.“, sagt Nimiq-Botschafter Max Burger. Er warnt weiter davor, dass Baissemärkte durchaus länger als ein paar Tage oder Wochen anhalten können. Vor jedem Kauf von Kryptowährungen sollte man sich über die Risiken der Marktschwankungen informieren und ein Verständnis über beeinflussende Faktoren gewinnen. Nur so kann man informierte Entscheidungen treffen. Ein Standard-Motto in der Kryptoszene: DYOR — Do Your Own Research (zu Deutsch: Recherchiere selbst)!

Wie FinTech-Firmen sich positionieren sollten, um Marktschwankungen auszuweichen

Mit dem weitläufigen Marktdruck, kämpfen auch oder besonders FinTech-Startups ums Überleben. “Bei SALAMANTEX haben wir bereits zwei Kryptowinter durchlebt, die uns zwar zurückgedrängt, aber nicht zerstört haben. Stattdessen haben sie uns als Team zusammengeschweißt und unseren Willen, die Bezahllandschaft zu revolutionieren, gestärkt.”, sagt Niall Murray, Direktor — Global Business bei SALAMANTEX. Als grundlegendes Erfolgsrezept, bezieht er sich auf ein Arbeitsmodell, das auf lange Sicht ausgelegt ist. Statt auf kurzfristige Gewinne abzuzielen, werden Probleme an den Wurzeln angepackt. So wird zum Beispiel derzeit an der Modernisierung der Bezahlinfrastruktur gearbeitet. Diese Arbeit muss gestämmt werden, um langfristig Kryptobezahlungen zu ermöglichen und dann die Gewinne des Haussemarktes ernten zu können.

[1] Contrasting The 2022 Market Crash To 2018’s Crypto Winter — The Defiant

[2] Bitcoin Price History 2009–2022 | NextAdvisor with TIME

[3] 2022 Outlook: Global cryptocurrencies | Bloomberg Professional Services

[4] July 2022 Stock Market Outlook — Forbes Advisor

[5] UK inflation hits 40-year record, highest in G7 | Reuters

[6] The Summer Slowdown At Work: Myth Or Reality? | Monster.com

[7] Crypto Crash: Is Now The Time To Buy The Dip? — Forbes Advisor UK

[8] Why inflation — not the crypto crash — will define Bitcoin | VentureBeat

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